So jung unsere Schule auch ist ...

20 Jahre jung

von Herrn Dr. Paul Konertz †, Direktor der Schule von 1977 bis 1981

So jung unsere Realschule auch ist – was sind schon 20 Jahre? – so ungewöhnlich, ja manchmal dramatisch ist ihre kurze Geschichte verlaufen. 

Widerstände gegen diese Schule gab es schon vor ihrer Errichtung. In den Ausschüssen des Rates der Stadt wurde lebhaft darüber diskutiert, ob diese Schulform Realschule überhaupt nötig und ob nicht durch sie der Bestand des städtischen Gymnasiums gefährdet sei. An die Schülerexplosion des siebziger Jahre dachte damals noch keiner. 

1967 war es dann doch so weit, nachdem das Erzbistum in Brühl eine Mädchenrealschule eingerichtet hatte. Mit 46 Jungen und einem Lehrer konnte nun auch eine städtische Realschule den Unterricht aufnehmen. Diese Schule erhielt einen Klassenraum im städtischen Gymnasium. Der eine Lehrer war ich, Lehrer des Gymnasiums und der Mädchenrealschule halfen durch Fachunterricht. 

Bald zeigte sich, wie sehr Bedarf für diese Schule in Brühl bestand. 1968 mussten wir zwei, 1969 schon drei Eingangsklassen einrichten. 

Von diesem dritten Jahr ihres Bestehens an begleitete die Schule ein außerordentlich kräftezehrendes Problem: die Raumnot. 1969 wurde – gleichsam als Schule in einer Schule – ein Pavillontrakt mit Klassenräumen und Lehrerzimmer auf einem Schulhof des Gymnasiums errichtet; 1970 mit wiederum drei Eingangsklassen mussten Räume im benachbarten evangelischen Gemeindezentrum angemietet werden, Kellerräume des Gymnasiums wurden zu Klassenräumen umfunktioniert. (…) 

Im Sommer 1971 gab es einen großen, frohen Tag für uns: der Neubau hier an der Richard-Bertram-Straße war fertiggestellt und konnte von uns bei einem Schulfest in Besitz genommen werden. Ich sehe noch heute die vielen bunten Luftballons, die frohe Schüler – auch sie waren die Enge und die Provisorien leid – von den Umgängen im 1. und 2. Stock auf die Festversammlung hinunterschweben ließen. 

Dieses Schulgebäude hier ist für eine zweizügige Schule konzipiert, damals war es groß genug für uns. 

Doch zu Beginn des Schuljahres 71/72 mussten wir vier neue Klassen einrichten; wir umfassten jetzt die Jahrgangsstufen 5 bis 9, insgesamt 13 Klassen. Bald kamen auch die ersten Mädchen zu uns – und ab 1973 war auch diese neue schöne Schule hoffnungslos zu klein. (…) 

Sechs Pavillonklassen mussten aufgebaut werden, ab 1976 genügten auch diese nicht mehr. Wir mussten Wanderklassen einrichten, zuerst vier, 1977 acht Klassen, die Tag für Tag und Stunden für Stunde jeweils in Räumen unterrichtet wurden, die gerade aus irgendeinem Grund frei waren, etwa wenn die Stammklasse Sport oder Unterricht in einem Fachraum hatte. 1977 wurde auch Nachmittagsunterricht eingeführt. An der Schule waren jetzt über 900 Schüler – die Schülerzahl hatte sich in zehn Jahren verzwanzigfacht – die Anzahl der Lehrer war auf über vierzig gestiegen, im Sekretariat arbeiteten zeitweise zwei Sekretärinnen. 

In diesen Jahren des rasanten Wachstums sind wir Lehrer uns immer bewusst gewesen, dass Neubeginn und großer Zulauf zur Schule eine Chance bedeuten, die Chance nämlich, eine gute moderne Schulwirklichkeit zu gestalten. Die Enge der Räumlichkeiten, die Schülermassen und die organisatorischen Schwierigkeiten stellten hohe Anforderungen an jeden einzelnen Lehrer – ohne viel Idealismus der Lehrer hätte die Schule gar nicht funktionieren können – aber sie haben uns nicht entmutigt. In vielen Konferenzen haben wir nicht nur uns mit den Miseren der äußeren Schulangelegenheiten befasst, wir haben uns sehr ausgiebig um die anstehenden pädagogischen Probleme bemüht. 

Die siebziger Jahre waren ja für das gesamte Schulwesen eine Zeit des Aufbruchs mit einer neuen Auffassung von dem, was Schule sein soll, was sie bei den Schülern bewirken sollte, mit neuen didaktischen Erkenntnissen, die von älteren Lehrern ein Umdenken erforderten, mit einer gewandelten Auffassung von den Lerninhalten und einer Neufindung der Lehrerrolle und des Schülerstatus. Es war die Zeit der Umgestaltung des gesamten Schulwesens besonders im Sinne des Herstellung demokratischer, sozialstaatlicher Rechtsverhältnisse für alle Schulbereiche. Wenn ich als damals schon älterer Lehrer an diese Zeit zurückdenke, bin ich heute noch beglückt darüber, sie miterlebt und mitgestaltet zu haben. Schultrott und berufliche Langeweile waren kaum noch möglich. 

Die Schüler haben es und Lehrern auf ihre Weise gedankt, das wir uns so mühten: sie kamen gern zur Schule, das Schulleben war fröhlich und unverkrampft. 

1977 wurden die räumlichen Verhältnisse so katastrophal, dass es so einfach nicht weitergehen konnte. Die Enge, die vielen Menschen auf wenig Raum, die Überorganisation des ganzen Betriebes belasten ja nicht nur Lehrer und Schulleiter, sondern ebenso die Schüler. Es stauten sich eine Menge Aggressionen, die sich gegen Sachen und Personen, besonders im Verhalten des Schüler untereinander austobten, es gab natürlich Unterrichtsausfälle – es gab Mangel und Mängel überall. An diese äußeren Zustände denke ich nicht gerne zurück. 

Im Januar 1978 zog die Schule in ein viel größeres Gebäude am Eichweg. Hier fanden wir endlich genug Platz, genug Entfaltungsmöglichkeiten. Die Schülerzahl bewegte sich um die Tausend – aber hier konnte nun Schulleben sein wie es sein muss.

 (1981 verließ Herr Dr. Konertz die Schule in den Ruhestand. In den nachfolgenden Jahren sanken die Schülerzahlen auf Grund der geburtenschwachen Jahrgänge. Die Realschule zog wieder in ihr „Stammhaus“ in der Römerstraße zurück, wo sie sich auch heute noch befindet.)